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Monday, 16 February 2026
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Europäische Verteidigung: Ursula von der Leyen drängt die EU zu größerer strategischer Autonomie

Angesichts transatlantischer Spannungen und wachsender geopo

Europäische Verteidigung: Ursula von der Leyen drängt die EU zu größerer strategischer Autonomie
7DAYES
18 hours ago
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Europa - Ekhbary Nachrichtenagentur

Europäische Verteidigung: Ursula von der Leyen drängt die EU zu größerer strategischer Autonomie

In einer wegweisenden Rede, die tiefgreifende geopolitische Veränderungen widerspiegelt, hat die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die Europäische Union aufgefordert, in der Verteidigung „einen Gang höher zu schalten“. Sie betonte die Notwendigkeit, dass der Kontinent seine Sicherheitsverantwortung vollumfänglich wahrnimmt. Ihre entschlossenen Erklärungen, die auf der Münchner Sicherheitskonferenz abgegeben wurden, unterstrichen, dass die europäische Sicherheit keine zweitrangige Angelegenheit mehr ist, sondern eine höchste Priorität darstellt, die entschlossenes Handeln erfordert.

Jahrzehntelang hat sich Europa in hohem Maße auf die Vereinigten Staaten für seine Verteidigung verlassen. Diese Dynamik wird nun inmitten zunehmender transatlantischer Spannungen und eskalierender globaler Sicherheitsherausforderungen einer tiefgreifenden Neubewertung unterzogen. Von der Leyen wies darauf hin, dass diese langjährige Abhängigkeit in einer volatilen Welt nicht mehr tragfähig ist und dass die Zeit gekommen ist, dass Europa „Muskeln zeigt“ und eigene robuste Verteidigungsfähigkeiten entwickelt. Dieser strategische Wandel ist nicht nur eine Reaktion auf spezifische Bedrohungen, sondern eine Anerkennung der Notwendigkeit größerer strategischer Autonomie, um die Stabilität und Integrität des Kontinents zu gewährleisten.

Aktivierung der gegenseitigen Verteidigungsklausel: Ein Aufruf, Tabus zu brechen

Zu den von von der Leyen angesprochenen Kernpunkten gehörte ihr eindringlicher Appell an Europa, „sich von allen Tabus“ in Bezug auf die Verteidigung zu befreien, wobei sie insbesondere die Aktivierung der in den europäischen Verträgen verankerten „gegenseitigen Verteidigungsklausel“ (Artikel 42 Absatz 7 des Vertrags über die Europäische Union) hervorhob. Diese Klausel verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten, sich im Falle eines bewaffneten Angriffs gegenseitig Hilfe und Unterstützung zu leisten. Obwohl sie seit Jahren existiert, wurde sie bisher nicht vollständig in Anspruch genommen, eine Situation, die sich nach Ansicht von der Leyens jetzt ändern muss.

Die Aktivierung dieser Klausel hätte erhebliche Auswirkungen, da sie einen qualitativen Wandel in Europas Ansatz zur kollektiven Verteidigung signalisieren und potenziell den Weg für eine tiefere militärische Integration ebnen würde. Dieser Schritt ist nicht dazu gedacht, die NATO zu ersetzen, sondern ihre Rolle zu ergänzen und Europa eine zusätzliche Ebene der Sicherheit und Eigenständigkeit zu bieten. Tatsächlich bekräftigte von der Leyen, dass „ein starkes Europa ein stärkeres transatlantisches Bündnis bedeutet“, was darauf hindeutet, dass das Ziel darin besteht, die Partnerschaft zu stärken und nicht zu untergraben.

Aufbau einer europäischen Säule strategischer Fähigkeiten

Von der Leyen beschränkte sich nicht auf allgemeine Aufrufe zum Handeln, sondern präsentierte eine klare Vision für die Bereiche, in die Europa investieren muss, um seine strategischen Fähigkeiten zu stärken. Sie sprach sich für die Entwicklung einer „europäischen Säule strategischer Mittel“ aus, die entscheidende Bereiche wie Weltraum, Nachrichtendienste und Tiefschlagfähigkeiten umfasst. Diese Bereiche sind für die moderne Sicherheit von entscheidender Bedeutung und erfordern erhebliche Investitionen und eine umfassende Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten.

Weltraumfähigkeiten sind für Überwachung und Kommunikation von entscheidender Bedeutung, während Nachrichtendienste eine unverzichtbare Rolle bei der Vorhersage und Bewertung von Bedrohungen spielen. Tiefschlagfähigkeiten wiederum sind unerlässlich, um potenzielle Aggressionen abzuschrecken oder bei Bedarf wirksam darauf zu reagieren. Diese Investitionen würden nicht nur die europäische Verteidigung stärken, sondern auch die europäische Verteidigungsindustrie ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen und technologische Innovationen innerhalb der Union fördern.

Wiederbewaffnungsbemühungen und zukünftige Herausforderungen

Europa hat bereits historische Wiederbewaffnungsbemühungen unternommen, um bis 2030 eine glaubwürdige Verteidigung aufzubauen. Diese Bemühungen finden vor dem Hintergrund eskalierender Spannungen mit Russland nach dessen Invasion in der Ukraine statt, verbunden mit wachsenden Bedenken hinsichtlich der Zukunft der US-Zusage an die NATO, insbesondere nach den Drohungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, die amerikanischen Investitionen in das Bündnis zu reduzieren. Diese Faktoren haben die europäischen Staats- und Regierungschefs gezwungen zu erkennen, dass eine übermäßige Abhängigkeit von anderen keine praktikable Option mehr ist.

Die Verwirklichung dieses Ziels steht jedoch vor erheblichen Herausforderungen, einschließlich der Notwendigkeit, die Verteidigungspolitik zwischen 27 Mitgliedstaaten zu koordinieren, die erforderlichen Finanzmittel zu sichern und Unterschiede in den nationalen Prioritäten zu überwinden. Es erfordert einen starken politischen Willen und ein langfristiges Engagement, um diese Vision in eine greifbare Realität umzusetzen. Von der Leyens Aufruf dient als eindringliche Erinnerung daran, dass die Zukunft der europäischen Sicherheit in den Händen der Europäer selbst liegt und dass die Zeit gekommen ist, diese Herausforderung ernsthaft und proaktiv anzugehen.