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Monday, 16 February 2026
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Der Schatten der Eistrainerin: Nika Egadze und die unbequemen Fragen zu Eteri Tutberidse

Nach einer missglückten Kür bei den Olympischen Spielen in I

Der Schatten der Eistrainerin: Nika Egadze und die unbequemen Fragen zu Eteri Tutberidse
Matrix Bot
6 days ago
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Deutschland - Ekhbary Nachrichtenagentur

Der Schatten der Eistrainerin: Nika Egadze und die unbequemen Fragen zu Eteri Tutberidse

Die olympische Bühne ist traditionell ein Ort der sportlichen Höchstleistungen und emotionalen Triumphe. Doch für den georgischen Eiskunstläufer Nika Egadze wurden die Spiele in Italien zu einer unerwarteten Belastungsprobe, die weit über seine eigene Performance hinausging. Nach einer missglückten Kür im Teamwettbewerb sah sich der amtierende Europameister nicht nur mit den Konsequenzen seiner Fehler konfrontiert, sondern auch mit einer Welle unangenehmer Fragen, die sich nicht auf sein technisches Können, sondern auf die umstrittene Figur an seiner Seite konzentrierten: seine Trainerin Eteri Tutberidse. Egadze, sichtlich genervt von der medialen Aufmerksamkeit, versuchte, sich der Debatte zu entziehen: „Ich glaube, ich bin Eisläufer und muss diese Frage nicht beantworten. Tut mir leid“, erklärte er nach seiner fehlerbehafteten Vorstellung, als er auf den Wirbel um Tutberidse angesprochen wurde.

Die 51-jährige Russin, die Egadze coacht und die georgische Mannschaft in Mailand zum vierten Platz führte, ist in der Eiskunstlauf-Welt ein Name, der polarisiert. Einerseits steht Tutberidse für eine beispiellose Erfolgsbilanz, die zahlreiche Olympiasieger und Weltmeister hervorgebracht hat. Ihre Schützlinge sind bekannt für ihre technisch anspruchsvollen Programme, die oft als revolutionär gelten. Andererseits wird ihr Name untrennbar mit einem dunklen Kapitel des Sports verbunden: dem Doping-Schatten, der seit dem Fall der russischen Eiskunstlauf-Ikone Kamila Walijewa über ihrer Karriere liegt. Die Erinnerung an den Dopingskandal bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking ist noch frisch und wirft weiterhin Fragen nach der Verantwortung der Trainer im Spitzensport auf.

Kamila Walijewa, damals erst 15 Jahre alt, wurde kurz vor den Peking-Spielen positiv auf eine verbotene Substanz getestet. Ihre Erklärung, sie habe aus demselben Glas wie ihr Großvater getrunken, wurde international mit Skepsis aufgenommen. Die Konsequenz: Eine rückwirkende Sperre von vier Jahren für Walijewa. Doch während die junge Athletin für ihre Verfehlung zur Rechenschaft gezogen wurde, durfte Eteri Tutberidse ihre Arbeit in der Eiskunstlauf-Welt fortsetzen und ist nun, akkreditiert durch den georgischen Verband, erneut auf der olympischen Bühne präsent. Diese Situation hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) auf den Plan gerufen und zu scharfer Kritik geführt.

WADA-Präsident Witold Banka äußerte sich klar: Er fühle sich mit der Anwesenheit von Eteri Tutberidse bei den Spielen „nicht wohl“. Er betonte jedoch auch die rechtlichen Grenzen seiner Organisation: „Es ist nicht unsere Entscheidung, dass die Trainerin hier ist. Die Untersuchung hat keine Beweise dafür ergeben, dass diese Person in diesen Dopingprozess verwickelt war, daher gibt es keine rechtliche Grundlage, sie von der Teilnahme an den Olympischen Spielen auszuschließen.“ Diese Aussage verdeutlicht das Dilemma: Obwohl moralische Bedenken bestehen, fehlen oft die juristischen Mittel, um gegen Trainer vorzugehen, wenn ihre direkte Beteiligung an Dopingvergehen nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.

Die WADA hat jedoch aus dem Fall Walijewa gelernt. Generaldirektor Olivier Niggli erklärte im ZDF, dass die Regularien verschärft wurden: „Jetzt folgt bei einem positiven Befund immer eine Untersuchung des gesamten Umfelds, denn Minderjährige dopen nicht eigenständig.“ Diese Regeländerung soll sicherstellen, dass nicht nur die Athleten, sondern auch ihr gesamtes Umfeld – inklusive Trainer, Ärzte und Betreuer – bei Dopingfällen unter die Lupe genommen werden, insbesondere wenn minderjährige Sportler betroffen sind, die als besonders schutzbedürftig gelten und oft dem Druck von Erwachsenen ausgesetzt sind. Ziel ist es, die Verantwortungskette besser zu erfassen und präventiv zu wirken.

Inzwischen ist auch Kamila Walijewa nach Ablauf ihrer Sperre wieder auf dem Eis zurück, wenngleich eine Qualifikation für die aktuellen Olympischen Spiele für sie nicht mehr möglich war. Die Kontroversen um Tutberidse beschränkten sich bei den Spielen 2022 nicht nur auf Doping. Sie wurde auch für ihren rigorosen Coaching-Stil bekannt, der die junge Walijewa damals sichtlich zerbrechen ließ. Ihre fehlerreiche Kür, die sie unter enormem Druck absolvierte, endete mit einem öffentlichen Einlauf ihrer Trainerin vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Ein Moment, der die Frage nach dem Umgang mit jungen Talenten und dem psychologischen Druck im Leistungssport aufwarf. Doch in Mailand schien sich die Öffentlichkeit von Tutberidse abzuwenden. Sie wurde vom Publikum weitgehend ignoriert, was als Zeichen gewertet werden könnte, dass der Fokus sich verschiebt oder frühere Kontroversen nun stärker im Bewusstsein der Zuschauer verankert sind.

Der Fall Egadze und die anhaltende Präsenz von Eteri Tutberidse auf der olympischen Bühne unterstreichen die komplexen ethischen und sportpolitischen Herausforderungen, mit denen der Eiskunstlauf und der Leistungssport insgesamt konfrontiert sind. Die Debatte um Trainerethik, den Schutz junger Athleten und die Grenzen der Rechenschaftspflicht bleibt virulent. Es ist eine Gratwanderung zwischen der Anerkennung sportlicher Exzellenz und der strikten Einhaltung moralischer und fairer Prinzipien, die das Fundament des Sports bilden sollten. Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wird der Schatten der Kontroverse über dem Eis schweben.

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