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Sunday, 15 February 2026
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Verteidigung: KI oder Kanonen? Das Ringen um die Zukunft der Kriegsführung

Deutsche Rüstungs-Start-ups verändern die Branche, fordern e

Verteidigung: KI oder Kanonen? Das Ringen um die Zukunft der Kriegsführung
7dayes
4 hours ago
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Deutschland - Ekhbary Nachrichtenagentur

Verteidigung: KI oder Kanonen? Das Ringen um die Zukunft der Kriegsführung

In einer Landschaft, die zunehmend von rasantem technologischem Fortschritt geprägt ist, befindet sich die deutsche Rüstungsindustrie an einem entscheidenden Wendepunkt. Eine neue Generation von Start-ups, angetrieben von Wagniskapital und fokussiert auf Spitzentechnologien wie künstliche Intelligenz (KI) und autonome Systeme, fordert die etablierte Ordnung heraus. Dieser dynamische Wandel definiert die Natur der Kriegsführung neu und schafft einen erbitterten Wettbewerb zwischen der alten Garde und den neuen Innovatoren.

Ein herausragendes Beispiel für diese neue Welle ist Tytan Technologies, das kürzlich die Eröffnung seines Unternehmenshauptsitzes in München feierte. In Anwesenheit prominenter Persönlichkeiten wie Markus Söder verkörpert das Unternehmen eine neue Art von Rüstungsunternehmen. Erst vor zwei Jahren von ehemaligen Universitätsstudenten gegründet, hat sich Tytan auf die Entwicklung KI-gestützter Drohnen spezialisiert, die feindliche Drohnen abfangen und neutralisieren sollen. Ihre Fähigkeiten wurden kürzlich durch den Sieg von Tytan bei einem von der NATO gesponserten Drohnenwettbewerb in Kiew bestätigt, bei dem das Unternehmen 40 andere Firmen hinter sich ließ. Dieser Erfolg hat die Aufmerksamkeit der deutschen Bundeswehr auf sich gezogen, die plant, die T1-Metris-Drohnen von Tytan zur Sicherung ihrer Einrichtungen in ganz Deutschland einzusetzen. Das Unternehmen wächst rasant und zielt darauf ab, bis zum Frühjahr in Aubing bei München mit der Massenproduktion von 3.000 Drohnen pro Monat zu beginnen.

Tytan Technologies ist kein Einzelfall. Es ist Teil eines florierenden Ökosystems von Rüstungs-Start-ups, darunter Helsing, Quantum Systems, Auterion und Arx Robotics. Diese Unternehmen verändern den Verteidigungssektor durch die Integration von KI, autonomen Fähigkeiten und innovativen Softwareansätzen. Sie verändern nicht nur die Spielregeln, sondern üben auch Druck auf etablierte Industrien aus, da ihre Technologien oft besser auf die Realitäten des modernen Konflikts abgestimmt sind, wie der anhaltende Krieg in der Ukraine eindrücklich zeigt.

Trotz ihres innovativen Vorsprungs stehen diese Start-ups vor erheblichen Hürden, um erhebliche Marktanteile zu gewinnen. Derzeit fließt der Großteil der Beschaffungsverträge der Bundeswehr immer noch an etablierte Giganten wie Rheinmetall, KNDS, Airbus und Diehl Defence. Diese Unternehmen haben kürzlich Verträge in Milliardenhöhe für ihre etablierten Produkte wie den "Leopard"-Panzer, den "Eurofighter"-Jet und das "Iris-T"-Raketensystem gesichert. Kritiker argumentieren, dass diese traditionellen Beschaffungen oft die für moderne Bedrohungen erforderliche Neuheit und Anpassungsfähigkeit vermissen lassen.

Die einst als langsam geltende deutsche Rüstungsindustrie erlebt nun einen beispiellosen Kampf, um ihren zukünftigen Weg in der Rüstung zu definieren. Dieser Kampf manifestiert sich in drei Schlüsseldimensionen: Erstens, der direkte Wettbewerb zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen. Zweitens, der ideologische Zusammenstoß zwischen Befürwortern einer neuen Ära der High-Tech-Kriegsführung und Traditionalisten, die Panzer, Kanonen und Fregatten immer noch als entscheidende militärische Vermögenswerte bevorzugen. Drittens, eine Divergenz in der deutschen Verteidigungspolitik: Einige plädieren für die schnelle Beschaffung der besten global verfügbaren Technologien, während andere die erheblichen Erhöhungen des Verteidigungsbudgets als Chance für eine Industriepolitik sehen, die heimische Anbieter begünstigt.

Diese Konflikte führen zu neuen, manchmal überraschenden Allianzen zwischen Start-ups, Unternehmen und politischen Akteuren. Das Verständnis der Rollen, die jeder Akteur in dieser komplexen Arena spielt, ist entscheidend. Unter den Verteidigungsführern und Experten, von denen sich viele auf der Münchner Sicherheitskonferenz treffen, zeichnet sich ein Konsens ab: Die Rüstungsindustrie ist dynamischer und stärker im Wandel als je zuvor seit dem Ende des Kalten Krieges. Ein klares Indiz dafür ist der zunehmende Erfolg von Start-ups, traditionelle Anbieter bei lukrativen Aufträgen zu übertreffen.

Ein aktuelles Beispiel ist die Beschaffung von Kamikaze-Drohnen durch die Bundeswehr. Während Rheinmetall zunächst leer ausging, erhielten Helsing und der Berliner Konkurrent Stark Produktionsaufträge. Obwohl die anfänglichen Verträge mit einem Wert von jeweils rund 300 Millionen Euro im Vergleich zu den von KNDS und Rheinmetall erhaltenen milliardenschweren Panzeraufträgen bescheiden sind, stellen sie ein wichtiges Signal dar. Darüber hinaus liefert Quantum Systems, ein weiteres Start-up, der Bundeswehr seine Aufklärungsdrohne der nächsten Generation, die das ältere Modell "Aladin" ablöst, das zuvor von EMT (jetzt Teil von Rheinmetall) geliefert wurde.

Ein weiteres Projekt, das diesen Trend verdeutlicht, ist "Uranos KI" (Uranus AI), das sich auf die Überwachung großer Gebiete mithilfe von künstlicher Intelligenz konzentriert. Diese Initiative bringt sowohl etablierte als auch aufstrebende Akteure zusammen, wobei Airbus neben Quantum Systems, Helsing und Arx Robotics zusammenarbeitet.

Der aktuelle Boom der Verteidigungsinnovation wird maßgeblich durch das beispiellose Aufrüstungsprogramm der deutschen Regierung angeheizt, das darauf abzielt, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas zu machen. Die Definition von "Stärke" entwickelt sich jedoch über reinen Stahl und Feuerkraft hinaus. Der Konflikt in der Ukraine bietet einen düsteren Einblick in die Natur zeitgenössischer Kriege. In der Donbass-Region hat die Bedrohung durch Drohnen die Frontlinien effektiv eingefroren, wobei sich Soldaten und Panzer tagsüber nur zögerlich zeigen. Durch fortschrittlichere Kameras, schnellere Prozessoren und größere Reichweiten halten sich die Gegner mithilfe von Drohnen auf Distanz, was für die Bundeswehr einen strategischen Kurswechsel erzwingt.

Dieser strategische Wandel wird in Erding, nordöstlich von München gelegen, deutlich, wo die Bundeswehr auf einem stillgelegten Flugplatz eine Neuerfindung erlebt. "Innovation ist der Kern glaubwürdiger Abschreckung", erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius bei der Eröffnung des "Innovationszentrums der Bundeswehr" im Februar. Innerhalb der Anlage wurde ein Übungsgelände mit simulierten Ruinen und Schlachtfeldern eingerichtet, auf dem Start-ups und Soldaten gemeinsam Drohnenkriegsszenarien üben. Draußen demonstrierten die Truppen dem Minister, wie ein Drohnenschwarm einen simulierten russischen Panzer durch einen Sturzflugangriff ausschalten könnte. In einem echten Konflikt könnten solche relativ kostengünstigen Einwegdrohnen teure Militärausrüstung neutralisieren.

Drohnen und KI machen traditionelle militärische Ausrüstung und Denkweisen obsolet. "Die moderne Verteidigung ist stark geprägt von Drohnen, autonomen Fahrzeugen und Software. Dies sind Bereiche, die traditionelle Verteidigungsanbieter qualitativ nicht ausreichend abgedeckt haben, wodurch sich Chancen für Start-ups ergeben", erklärt der Investor Christian Saller von HV Capital, dessen Firma unter anderem in Quantum Systems investiert.

Historisch gesehen hatte die Bundeswehr Schwierigkeiten, effektiv mit Start-ups zusammenzuarbeiten. Im alten Beschaffungssystem, das von unmittelbaren militärischen Bedrohungen unberührt war, identifizierten Inspektoren die Bedürfnisse zur Erfüllung der NATO-Anforderungen. Das Planungsamt ermittelte dann den besten Weg zur Erfüllung dieser Bedürfnisse, bevor das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung (BAAINBw) Ausschreibungen und Verträge vorbereitete. 2023 hob der IT-Branchenverband Bitkom in einer Analyse hervor, dass "hohe Eintrittsbarrieren und lange Bearbeitungszeiten verhindern, dass innovative Start-ups und KMU breit in den Verteidigungssektor eintreten".

Die Situation beginnt sich jedoch zu ändern, da die Bundeswehr ihre Türen schrittweise öffnet. Das Cyber Innovation Hub (CIH) in Berlin fungiert beispielsweise als Brücke zwischen Gründern und Soldaten, wovon der Drohnenhersteller Tytan Technologies und das Software-Start-up Munich Innovation Labs profitierten, letzteres wurde im vergangenen Oktober von Rohde & Schwarz übernommen. Das neue Innovationszentrum in Erding wird voraussichtlich einem ähnlichen Modell folgen.

Auch Beschaffungsbehörden und politische Entscheidungsträger haben reagiert. Start-ups werden nun eingeladen, ihre Entwicklungen mit den Truppen vorzustellen und zu testen. Das neue "Bundeswehr-Planungs- und Beschaffungsbeschleunigungsgesetz" erhöht die Wertgrenzen für die direkte Vergabe von Verträgen ohne Ausschreibung. Es erleichtert auch den Zugang von Start-ups zum Verteidigungsmarkt, indem es unter bestimmten Bedingungen Vorauszahlungen zulässt und damit eine entscheidende Finanzierungsherausforderung für viele junge Unternehmen angeht.

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