Deutschland - Ekhbary Nachrichtenagentur
Nordrhein-Westfalen als Motor der Zeitenwende: Mona Neubaur über das neue Verteidigungs-Hightech-Cluster
In einem strategisch bedeutsamen Schritt zur Stärkung der deutschen Verteidigungsfähigkeiten und zur Förderung industrieller Wertschöpfung plant die nordrhein-westfälische Landesregierung den Aufbau eines neuen Hightech-Clusters für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Die Unterzeichnung des „Letter of Intention“ für dieses ehrgeizige Vorhaben erfolgte in einer Suite im renommierten Bayerischen Hof am zweiten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz, was die nationale und internationale Relevanz des Projekts unterstreicht. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne), die auch stellvertretende Ministerpräsidentin des Bundeslandes ist, treibt diese Initiative maßgeblich voran. An Bord sind bereits namhafte Rüstungs- und Technologiekonzerne wie Rheinmetall und Lockheed Martin sowie der Leichtbauspezialist Mubea, bekannt für seine Komponenten in der Automobil- und Luftfahrtindustrie.
Kernstück dieser Initiative ist das sogenannte Production Launch Centre Defence (PLCD), ein dediziertes Technologie- und Entwicklungszentrum für den Sicherheits- und Verteidigungssektor. Das PLCD ist als eine Art Campus konzipiert, der künftig Konzerne, mittelständische Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen zusammenbringen soll. Ziel ist es, Synergien zu schaffen, den Austausch zu fördern und die Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen. „Wir wollen das westdeutsche Innovationszentrum für Hightech im Bereich von Sicherheit und Verteidigung werden“, bekräftigte Mona Neubaur im Interview mit dem Handelsblatt.
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Die Ministerin hob hervor, dass ein wesentliches Ziel darin bestehe, die oft kritische Lücke zwischen der Laborphase und der Serienproduktion zu schließen – ein bekanntes Hindernis für viele technologische Innovationen. „Damit wollen wir nicht nur für militärische Sicherheit sorgen, sondern auch industrielle Wertschöpfung generieren“, erläuterte Neubaur. Diese Initiative fügt sich nahtlos in den Kontext der von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufenen „Zeitenwende“ ein, die eine substanzielle Stärkung der deutschen und europäischen Verteidigungsfähigkeiten erfordert.
Auf die Frage, ob es darum gehe, sich als Bundesland im großen Verteidigungsboom zu profilieren, antwortete Neubaur entschieden: „Wir zeigen, dass für uns in Nordrhein-Westfalen die Zeitenwende nicht nur eine Phrase ist, wir wollen tatsächlich mitgestalten. Wir schaffen mit dem Production Launch Center Defence einen Ort, an dem große Systemhäuser mit mittelständischen Unternehmen und Start-ups zusammenarbeiten können. Wir zeigen, dass man das Ganze auch wettbewerblich betrachten kann und Innovation wie Innovationsgeschwindigkeit zu einem echten Markenkern für Verteidigungsfähigkeit und Wertschöpfung macht.“
Während München als etabliertes Big-Tech-Cluster gilt, strebt Nordrhein-Westfalen danach, sich als führendes Rüstungscluster zu etablieren. Neubaur betonte die herausragende Kompetenz des Landes bei der Anwendung Künstlicher Intelligenz, exemplarisch in der Landwirtschaft, und versicherte, dass dieser Ansatz nun auch auf den Verteidigungssektor übertragen werde. „So können sich zivile und militärische Anwendungen gegenseitig befruchten – dual use at its best“, so die Ministerin. Sie verwies zudem auf das robuste Ökosystem aus Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Start-ups in NRW, das im vergangenen Jahr ein Wachstum von 33 Prozent in diesem Sektor verzeichnen konnte.
Die Erkenntnis, dass große Unternehmen und Start-ups in diesem Bereich vor allem in Süddeutschland zu finden sind, ist ein wichtiger Treiber der PLCD-Initiative. „Wir machen mit dem PLCD jetzt ein Angebot, damit Start-ups nicht weggehen müssen aus Nordrhein-Westfalen“, erklärte Neubaur. Das Zentrum soll ihnen einen Ort bieten, an dem sie ihre Ideen in die Produktion überführen und von der Skalierbarkeit bis zur Marktfähigkeit entwickeln können. Dies sei kein Neuland für NRW; ähnliche Angebote gebe es bereits an der RWTH Aachen für Tech-Start-ups sowie in Münster mit der Forschungsfabrik Batteriezelle und in Aachen für die Luftfahrtindustrie.
Konkrete Ziele sind dabei eng mit der Förderpolitik verknüpft. Die Landesregierung mache sich „sehr konkret Gedanken darüber, wie wir zum Beispiel europäische Mittel so kofinanzieren können, dass wir denen, die gute Ideen haben, mit öffentlichem Fördergeld helfen können“, so Neubaur. Dies diene nicht nur der militärischen Sicherheit, sondern auch der Generierung industrieller Wertschöpfung und der Schaffung von Arbeitsplätzen, deren positive Effekte bereits bei großen Systemhäusern in NRW sichtbar seien. Als Beispiel für die „Nordrhein-Westfalen-Geschwindigkeit“ nannte sie das Projekt in Weeze, wo Amerikaner und Deutsche gemeinsam das Kampfflugzeug F-35 bauen. „Jetzt erweitern wir die Zusammenarbeit und schaffen Platz für den Mittelstand und für Start-ups. Das ist eine Chance, allen zu zeigen: Wir können das in Nordrhein-Westfalen – ihr müsst nicht irgendwo anders hingehen.“
Die Funktionsweise des Entwicklungszentrums ist klar definiert: Das Land Nordrhein-Westfalen wird das Gebäude errichten. Die Ausstattung und der Aufbau der Anlagen im Inneren obliegen den beteiligten Sicherheits- und Verteidigungsunternehmen, Start-ups, Mittelständlern und Systemhäusern. Start-ups werden dort Flächen mieten können, ein bewährtes Modell, wie es in Münster und Aachen bereits erfolgreich praktiziert wird, wo Unternehmen Schlange stehen, um ihre neuen Werkstoffe oder Verfahrensweisen bis zur Marktreife zu testen. „Es gab da eine Lücke zwischen Labor und Serienproduktion, wir haben diese Lücke geschlossen. Das Gleiche machen wir im Verteidigungsbereich.“
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Der genaue Standort des PLCD wird derzeit noch finalisiert, es ist jedoch „relativ sicher“ im Rheinischen Revier geplant. Um Schnelligkeit und Unbürokratie zu garantieren, sei das Wichtigste, „wie schnell wir von der Unterzeichnung des Letter of Intent zur Inbetriebnahme kommen“, so Neubaur. Der Spatenstich ist bis Herbst geplant, im besten Fall „as soon as possible“. Ein weiterer Beschleuniger ist die schnelle Umsetzung des Vergabebeschleunigungsgesetzes für das Verteidigungsministerium in NRW, das Vergaben in kurzer Frist statt in langwierigen Schleifen ermöglicht.
Bezüglich der Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Lockheed Martin, die im Kontext europäischer Unabhängigkeitsbestrebungen von amerikanischer Technologie Fragen aufwerfen könnte, stellte Neubaur klar: „Wir sagen ja nicht, dass wir die transatlantische Partnerschaft beenden. Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht das richtige Signal. Das Signal ist, dass wir uns anbieten für Kooperationen auf Augenhöhe.“ Sie betonte, dass neben den Erstunterzeichnern weitere europäische Unternehmen, wie beispielsweise Leonardo aus Italien, Interesse an einer Beteiligung signalisiert hätten, was den klaren Fokus auf die Stärkung der europäischen Sicherheitsindustrie unterstreiche.
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