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Friday, 13 February 2026
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John Bolton: "Wir haben den Höhepunkt von Trump überschritten"

Der ehemalige Sicherheitsberater der USA analysiert Trumps R

John Bolton: "Wir haben den Höhepunkt von Trump überschritten"
Ekhbary Editor
2 weeks ago
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USA - Ekhbary Nachrichtenagentur

John Bolton: "Wir haben den Höhepunkt von Trump überschritten"

Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, eine Figur, die seit Jahrzehnten die amerikanische Außenpolitik mitgestaltet, hat eine deutliche Einschätzung zur aktuellen politischen Landschaft in den Vereinigten Staaten abgegeben. Mit 77 Jahren blickt Bolton auf eine beeindruckende Karriere zurück, die ihn durch die Amtszeiten mehrerer republikanischer Präsidenten geführt hat, beginnend bei Ronald Reagan. Seine eigene Amtszeit als nationaler Sicherheitsberater unter Donald Trump war von Kontroversen geprägt und endete nach 17 Monaten aufgrund von Meinungsverschiedenheiten. Aktuell sieht sich Bolton selbst mit Ermittlungen wegen des angeblichen illegalen Umgangs mit Verschlusssachen konfrontiert, eine Situation, die seine Aussagen umso brisanter macht.

In einem exklusiven Interview, das ursprünglich in der deutschen Zeitschrift DER SPIEGEL (Ausgabe 52/2025) erschien, teilte Bolton seine Perspektiven zu Donald Trumps Bestrebungen, einen Friedensdeal zwischen Russland und der Ukraine noch vor Weihnachten zu erzielen. Bolton bezeichnet diese Frist als typische "Trump-Deadline", eine taktische Maßnahme, um Druck auszuüben. Er kritisiert, dass die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht hätten, was er als strategischen Fehler betrachtet. Diese Zugeständnisse, so Bolton, könnten Russland in zwei bis drei Jahren, wenn eine "dritte Invasion" denkbar sei, nicht wirksam eindämmen. Er beklagt, dass Trump, sein Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner den strategischen Kern der Angelegenheit nicht erfassen: Sie streben einen Deal um jeden Preis an, primär um eine Nominierung für den Friedensnobelpreis bis zum 31. Januar zu sichern.

Bolton, dessen Alter im Artikel leicht variiert (einmal 77, einmal 76 Jahre), beschreibt sich selbst als "hawkish" in der Außenpolitik und Befürworter militärischer Interventionen. Er weist darauf hin, dass die Bemühungen um einen Friedensdeal durch die Treffen von Witkoff und Kushner in Berlin deutlich wurden. Bolton sieht in den ukrainischen Zugeständnissen die Bereitschaft, Wahlen im neuen Jahr abzuhalten und eine Waffenstillstandslinie entlang der aktuellen Front zu akzeptieren. Er hält jedoch den Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft im Austausch für Sicherheitsgarantien für einen schweren Fehler. Trumps Unzuverlässigkeit in Bezug auf Artikel 5 des NATO-Vertrags macht ihn für Bolton zu einem unglaubwürdigen Garanten für Sicherheit außerhalb des Bündnisses. Die Vorstellung von Sicherheit in einem solchen Kontext sei eine "Illusion", da amerikanische Truppen nach einem solchen Abkommen nicht in der Ukraine verbleiben würden und somit der "Tripwire" für amerikanische Beteiligung wegfalle.

Die Frage, ob die Ukraine Territorium aufgeben dürfe, beantwortet Bolton skeptisch. Er argumentiert, dass eine russische Kontrolle über 20 Prozent der Ukraine wahrscheinlich unwiderruflich sei. Während Präsident Selenskyj und die meisten Europäer dies verstehen, zweifelt Bolton daran, dass Trump das Ausmaß oder die Konsequenzen begreift. Bolton vermutet, dass Russland von einem Waffenstillstand entlang der Frontlinie profitieren würde, um seine Wirtschaft und Armee zu rekapitalisieren und die Schwarzmeerflotte zu reparieren. Er sieht die russische Kriegsführung als widersprüchlich zu eigenen Interessen an, da sie auf einen Zermürbungskrieg setzen, der die Ukraine ausbluten lassen soll.

Bolton glaubt, dass Putin auch einen Deal akzeptieren würde, der keine vollständige Kapitulation der Ukraine vorsieht. Er argumentiert, dass Putin einen Punkt erreichen könnte, an dem er Trump zu weit treibt, aber auch, dass Trump nicht als Narr dastehen wolle. Wenn genügend Zugeständnisse gemacht würden, könnte Putin einen Deal annehmen und den Waffenstillstand zu seinem Vorteil nutzen. Die Nähe Trumps zu Putin erklärt Bolton durch dessen Bewunderung für starke Persönlichkeiten, die er beneidet – sei es Putin, Xi Jinping, Erdoğan oder Kim Jong Un. Die Russen hätten Trump schon früh als "nützlichen Idioten" im Sinne Lenins identifiziert. Putin nutze seine KGB-Erfahrungen, um Schwächen auszunutzen, was sich nach Telefonaten mit Putin und Gipfeltreffen zeige, wenn Trump sich russischen Positionen annähere.

Bolton hält es nicht für ausgeschlossen, dass Putin belastendes Material über Trump besitzt, sieht jedoch keine Beweise dafür. Er verweist stattdessen auf die offensichtliche Abwesenheit einer strategischen Theorie, Philosophie oder politischen Ausrichtung bei Trump, was ihn zu einem leichten Ziel für russische Manipulation mache. Die jüngste Veröffentlichung einer neuen US-Sicherheitsstrategie, die Europa und nicht Russland oder China als Hauptgegner darstellt, hält Bolton für wenig relevant für Trump, da er solche Dokumente wahrscheinlich nicht lese. Er vermutet, dass das Dokument eher für eine hypothetische Regierung unter JD Vance geschrieben worden sei und mehr Kohärenz suggeriere, als tatsächlich vorhanden sei. Trotz seiner eigenen Kritik an der EU betont Bolton die historische Allianz zwischen den USA und Europa.

Die im Strategiepapier erwähnte "zivilisatorische Auslöschung" in Europa und die Andeutung einer US-Intervention zur Installation "gleichgesinnter" Regierungen hält Bolton für unwahrscheinlich. Er glaubt nicht, dass die MAGA-Bewegung dafür empfänglich sei und dass solche Rhetorik konkrete Folgen haben werde. Europäer müssten diese Rhetorik aussitzen. Die Dominanz der MAGA-Bewegung in der Republikanischen Partei sei für Europa nicht als vorübergehendes Phänomen abzutun. Bolton ist jedoch der Ansicht, dass der "Höhepunkt Trumps" überschritten sei und sich seine Bewegung auf dem absteigenden Ast befinde. Er verweist auf Sorgen der Republikaner im Kongress vor den Kongresswahlen im November 2026, die Fragmentierung der MAGA-Bewegung und interne Revolten wie die Weigerung der Republikanischen Partei von Indiana, ihre Wahlkreise neu zu ziehen. Er erinnert daran, dass die zweite Amtszeit eines Präsidenten oft von der Wahrnehmung als "lahme Ente" geprägt sei.

Bolton warnt davor, voreilige Schlüsse zu ziehen, insbesondere im Hinblick auf ein mögliches Abkommen zur Ukraine. Die Unterstützung für die Ukraine sei im Kongress stark, und die Verhandlungen stießen auf Bedenken. Er räumt ein, dass noch drei Jahre verbleiben, doch die Haltung der Hoffnungslosigkeit spiele Russland und China in die Hände, die seit dem Kalten Krieg darauf abzielten, die NATO zu spalten. Dies erschwere es Unterstützern der Ukraine in den USA, sich zu äußern. Die militärische Lage sei nicht hoffnungslos; Russlands Vormarsch geschehe unter enormen menschlichen und materiellen Verlusten, und ein entscheidender Durchbruch sei keineswegs gesichert. Es gehe darum, den Schaden zu begrenzen.

Boltons Einschätzung nach ist Selenskyjs Strategie, mit Trump zu verhandeln, um die Verantwortung für ein Scheitern auf Putin abzuwälzen, nachvollziehbar. Er bezweifelt jedoch, dass Trump bereit sei, seinen "Freund Vlad" als Problem anzuerkennen. Dennoch sei der Versuch, die Verhandlungen über Weihnachten hinaus zu ziehen und gleichzeitig die militärische Unterstützung für die Ukraine zu stärken, sinnvoll. Bolton räumt ein, dass sowohl die Biden-Administration als auch europäische NATO-Mitglieder durch jahrelange Zurückhaltung bei der Lieferung notwendiger Waffen aus Angst vor einer Eskalation Fehler gemacht hätten. Diese Angst vor einem größeren Krieg sei jedoch unbegründet gewesen. Auch wenn Fehler vor Trumps Amtszeit gemacht wurden, dürfe das Grundprinzip nicht aufgegeben werden, dass unprovozierte Aggression in Europa nicht akzeptiert werden dürfe.

Die Reparatur des Vertrauensverlusts zwischen Europa und den USA hänge davon ab, wie sich die Spaltung in den nächsten drei Jahren entwickle. Eine europäische Haltung der Hoffnungslosigkeit könne sich als selbsterfüllende Prophezeiung erweisen. Das Schlimmste wäre, Trump einen Vorwand zu geben, die NATO zu verlassen, was gravierende Folgen hätte. Die Möglichkeit einer Präsidentschaft JD Vances in den USA sei eine reale Sorge. Bolton vergleicht die Trump-Wähler mit einem "Personenkult", der ihn bedingungslos wähle, da sie glaubten, er kämpfe für sie. Diese Dynamik mache ihn gefährlich, da er seine Positionen ändern könne, ohne dass seine Anhänger dies kritisch hinterfragten, ähnlich wie in George Orwells "1984".

Bolton bezweifelt, dass Trumps unkonventioneller Stil hilfreich sei, auch wenn er Europa gezwungen habe, seine Verteidigung ernster zu nehmen. Ein Wiederaufbau der NATO ohne die USA oder innerhalb der EU sei zum Scheitern verurteilt, was Russland und China bewusst sei. Sie würden Trumps Bemühungen zur Zerstörung amerikanischer Allianzen aktiv fördern. Die klügste Strategie im Umgang mit Trump sei, wie sie Shinzo Abe von Japan und Boris Johnson von Großbritannien praktiziert hätten: ständige Kontaktaufnahme, Besuche und Golfpartien, ohne sofortige Forderungen zu stellen. Mark Rutte als NATO-Generalsekretär und der finnische Präsident Alexander Stubb würden dies ebenfalls gut handhaben. Friedrich Merz' Ansatz, sich auf europäische Unabhängigkeit zu konzentrieren, sei hingegen kontraproduktiv, da Trump dies als Bestätigung sehe und es Russland nütze.

Bezüglich der Ermittlungen gegen ihn wegen des Umgangs mit Verschlusssachen während seiner Amtszeit als Trumps nationaler Sicherheitsberater, verweist Bolton auf seine früheren Warnungen vor einer "Vergeltungspräsidentschaft" unter Trump. Er sieht darin eine Fortsetzung von Trumps Vorgehen, das bereits am ersten Amtstag mit der Aufhebung seines Secret-Service-Schutzes begonnen habe. Er sei nicht das einzige Ziel, und obwohl auch Demokraten "Lawfare" betrieben hätten, treibe Trump dies auf eine extreme Stufe, die Gegenreaktionen provoziere. Die Behauptung, der Fall sei während der Biden-Administration eingeleitet worden, weist Bolton zurück und erklärt, dass Trump selbst 2020 versucht habe, die Veröffentlichung seines Buches zu verhindern.